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Hintergründe und Erklärungen


   Die Botschaft des Neuen Testaments

 

Im Zentrum des Neuen Testaments steht die gute Nachricht: Der von Mose und den Propheten vorausgesagte Messias ist gekommen! Von Gott als Retter in die Welt gesandt, wurde er geboren in dem auserwählten Volk Israel. Jesus praktiziert bedingungslose Barmherzigkeit, heilt Kranke, treibt Dämonen aus und demonstriert, dass eine neue Zeit anbricht: "Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe gekommen!" Er lehrt die Tora im Sinne radikaler Nächstenliebe und Feindesliebe, tadelt das religiöse System und kündigt den Tag des kommenden Gerichts an, wo jeder Mensch sein Urteil erfährt: Verdammnis oder Himmelreich. Seine Jünger ruft er auf, einander zu lieben und ihm zu folgen in Wort und Tat.

Schließlich wird er zum Tod verurteilt und wie ein Verbrecher am Kreuz hingerichtet. Wieso? In unermesslicher Liebe nimmt er die Verfehlungen der ganzen Welt auf sich und stirbt für unsere Sünden - damit alle, die dieses Erlösungswerk durch Glauben für sich in Anspruch nehmen, nicht für ihre Schuld verurteilt werden, sondern Vergebung ihrer Fehler und ewiges Leben erhalten. Um Jesus als Kyrios und Gottessohn zu beweisen, hat der Allmächtige ihn von den Toten auferweckt, vielen Zeugen gezeigt und vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen.

In seinem Auftrag verbreiten seine Jünger überall die rettende Botschaft, so dass Menschen jeglicher Herkunft von ihren alten Wegen umkehren, ihr Vertrauen auf Jesus setzen, in Wasser getaucht werden und den Heiligen Geist empfangen, um neue Menschen zu werden. An allen Orten bilden sich Versammlungen, in denen die Gotteskinder miteinander Gemeinschaft pflegen und sich in der heiligen Lebenspraxis bestärken. Denn sie erwarten den Tag der Parusie, an dem der Menschensohn mit großer Herrlichkeit kommt, um die Menschheit zu richten, die Seinen zu belohnen und das verheißene Königreich der Gerechtigkeit zu errichten, wo es kein Unrecht und kein Leid mehr gibt, sondern unvergängliches Leben in göttlicher Liebe und Herrlichkeit.

 

   Die Überlieferung des Neuen Testaments

 

Der Heilige Geist hat die Jünger Jesu bewegt, diese gute Nachricht mündlich zu verkünden und schriftlich für die Nachwelt festzuhalten. So wurden die 27 Schriften des Neuen Testaments in Koine-Griechisch (der damaligen Weltsprache) niedergeschrieben und in zahlreichen Kopien per Hand abgeschrieben. Die Originalexemplare der Apostel existieren nicht mehr, aber Abschriften sind in großer Zahl erhalten (derzeit sind 133 Papyri, 323 Majuskeln, 2936 Minuskeln und 2470 Lektionare offiziell gelistet, Stand: 5.1.2018). Außerdem wurde der Text in viele andere, damalige Sprachen übersetzt (Latein, Syrisch, Koptisch usw.). Seit dem 16. Jahrhundert werden auch gedruckte Ausgaben des griechischen Textes hergestellt; sie bilden die Grundlage für die verschiedenen Bibelübersetzungen.

Folgendes Bild veranschaulicht die Gesamtsituation:

  

 


   Die Zuverlässigkeit der Überlieferung

 

Dank der großen Zahl an Abschriften (s.o.), des hohen Alters der ältesten erhaltenen Exemplare (ab 2. Jahrhundert) und des hohen Übereinstimmungsgrades des Wortlautes der Abschriften, ist der Text des Neuen Testaments in seiner Gesamtheit sehr zuverlässig überliefert. Tatsächlich gibt es keinen Text der Antike, der so umfangreich, so genau und auf so vielfältige Weise überliefert wurde wie das Neue Testament.


   Unterschiede im Wortlaut


Natürlich treten (wie in jeder Überlieferung durch Abschreiben) an bestimmten Stellen zwischen den einzelnen Abschriften Unterschiede in der Formulierung auf, wie man in genauen Vergleichen feststellen kann. Diese Unterschiede (”Lesarten”, Varianten) führen insgesamt zu verschiedenen Fassungen des Grundtextes ("Textformen"), die sich sowohl in den Abschriften als auch in den gedruckten Ausgaben widerspiegeln. Zum Teil wirken sich diese Unterschiede auch auf Übersetzungen aus.

Von welcher Bedeutung sind nun die Varianten an den Stellen, an denen der Text uneinheitlich überliefert ist? Sie stellen verschiedene Formulierungen dar, berühren jedoch nicht die eigentliche Botschaft des Neuen Testaments (Inhalte und Aussagen des Glaubens). Dennoch wirken sie sich so weit auf den Bibeltext aus, dass, besonders angesichts der großen Bedeutung des Wortlauts der heiligen Schrift, eine Klärung wünschenswert erscheint.


   Gedruckte Ausgaben des Grundtextes


Der geschilderte Sachverhalt macht die neutestamentliche Textforschung notwendig, die darauf abzielt, alle fraglichen Stellen zu untersuchen und mit Hilfe der erhaltenen Abschriften den Wortlaut des griechischen NT zu ermitteln. Die Ergebnisse dieser Studien werden seit der Reformationszeit immer wieder in gedruckter Form veröffentlicht. Die bekanntesten gedruckten Grundtexte (und somit Grundlagen für Übersetzungen) sind der Textus Receptus (TR), der seit dem 16. Jahrhundert Standardtext war, und der Text nach Nestle-Aland (NA), der die Ergebnisse der Textkritik des 20. Jahrhunderts zusammenfasst. Außerdem ist die Ausgabe nach Robinson-Pierpont (RP) zu nennen, die den Wortlaut der Mehrheit der Handschriften wiederzugeben sucht.

Die Ursachen für die Unterschiede zwischen TR, NA und RP erklären sich aus Entstehung und Absicht dieser Ausgaben:


   Textus Receptus

 

Der gedruckte Textus Receptus (TR) wurde aufgrund einer geringen Anzahl von Handschriften erstellt, die aber von ihrem Texttyp her dem Text nahestehen, wie er von der großen Mehrheit der griechischen Handschriften überliefert ist ("Mehrheitstext" oder “byzantinische Textform”). Daher entspricht der TR zum großen Teil dem Mehrheitstext und weicht nur an relativ wenigen Stellen von ihm ab, hauptsächlich dort, wo die von den Herausgebern des TR benutzten Handschriften vom Mehrheitstext abweichen, oder wo Textentscheidungen der Herausgeber (vor allem des Erasmus) durch die lateinische Vulgata beeinflusst sind. Die bekanntesten Ausgaben des TR sind die erste Ausgabe von D. Erasmus (1516), die dritte Ausgabe von R. Estienne, genannt Stephanus (1550), die vierte Ausgabe von Th. Beza (1598) und die erste Ausgabe von B. und A. Elzevir (1624).

 

   Nestle-Aland

 

Der Text von Nestle-Aland (NA) orientiert sich ebenfalls an einer geringen Anzahl von Handschriften (vor allem denjenigen der "alexandrinischen Textform"), jedoch sind diese älter als die für den TR verwendeten, und weichen an zahlreichen Stellen vom Wortlaut der großen Mehrheit der Handschriften ab. Dabei werden Prinzipien angewandt, die in der philologischen Textkritik (also an säkularen Texten) entwickelt wurden und zur Entscheidung zwischen den Varianten herangezogen werden. Diese Ausgabe wurde ursprünglich von Eberhard und Erwin Nestle erarbeitet, später von K. und B. Aland weitergeführt. Die bisherige 27. Auflage (1993) wurde Ende 2012 durch die 28. Auflage abgelöst; der NT-Text wurde nur in den Kath. Briefen verändert, der Apparat hingegen in der ganzen Ausgabe überarbeitet.


   Robinson-Pierpont


Beide Ansätze (TR und NA) enthalten strittige Lesarten, die nur von einer kleinen Minderheit von Handschriften bezeugt werden. In den letzten Jahrzehnten ist daher zunehmend der “Mehrheitstext” (MT) als Alternative diskutiert worden, d.h. der Wortlaut, wie er von der großen Mehrheit der griechischen Handschriften überliefert wird. Er steht sozusagen zwischen TR und NA, da er deren Extreme (d.h. die Minderheitslesarten) vermeidet; in den meisten Passagen steht er jedoch dem TR näher, außer in der Offb. Er wurde 1982 herausgegeben von Z. Hodges und A. Farstad (HF), 2005 von M. Robinson und W. Pierpont (RP). Die Ausgabe von Robinson-Pierpont hat ausdrücklich kein eingeschränktes Copyright (“Anyone is permitted to copy and distribute this text or any portion of this text. ... All rights to this text are released to everyone and no one can reduce these rights at any time. ... Likewise, we hereby release into the public domain the introduction and appendix which have been especially prepared for this edition.”). Daher darf diese Grundtextausgabe von Robinson-Pierpont hier zur Verfügung gestellt werden:

Dateidownload
Robinson-Pierpont: The New Testament in the Original Greek. Byzantine Textform 2005

   

Die genannten drei wesentlichen Textfassungen (NA, RP, TR) habe ich in Erste Analysen untersucht und mit den Handschriften verglichen.