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Forschungslücke Mehrheitstext


Eine Forschungslücke betrifft die Gewinnung des genauen Wortlauts des Mehrheitstextes. Zwar wurde dieser durch die Arbeiten von Hodges-Farstad, Robinson-Pierpont und W. Pickering schon erforscht und in bestimmten Fassungen publiziert. Die Lücke beginnt sich also zu schließen. Allerdings besteht noch Forschungsbedarf in Bezug auf a) die frühbyzantinische Überlieferung, b) die Absicherung des Wortlauts auf Basis der Handschriften (unabhängig vom Apparat der Ausgabe von Sodens), und c) die Ermittlung der Mehrheitsverhältnisse an Stellen mit gespaltener Überlieferung. Diese Punkte werden im Folgenden erläutert.


   Ermittlung des Wortlauts des Mehrheitstextes


Der Wortlaut des Mehrheitstextes ist natürlich von unmittelbarer Bedeutung für alle, die diesen Text als den ursprünglichen ansehen. Aber auch, wenn man diese Voraussetzung nicht teilt, hat dieser Text Bedeutung für die Textkritik, da er, auch wenn er nicht der älteste Zeuge ist, dennoch aus dem ursprünglichen Text hervorgegangen ist und somit als Zeuge zu beachten ist. Um im Apparat der Grundtextausgabe alle Stellen zu verzeichnen, an denen die wichtigsten Textformen differieren, muss also der Wortlaut der Mehrheit der Handschriften (byzantinische Textform) ermittelt werden und u.a. mit dem Wortlaut der ältesten Handschriften (alexandrinische Textform) verglichen werden.

Doch welchen Wortlaut hat die Mehrheit der Handschriften? Es gibt zur Zeit hauptsächlich zwei gedruckte Ausgaben, die diesen Mehrheitstext veröffentlicht haben, eine von Hodges-Farstad (HF), eine von Robinson-Pierpont (RP). Doch die Texte beider Ausgaben basieren nicht direkt auf Kollationen von Handschriften, sondern auf Sekundärquellen, nämlich für Mt-Jud auf den Angaben des Apparates von H. von Soden, für die Offenbarung auf der Ausgabe von H.C. Hoskier. Dadurch sind Ungenauigkeiten und Fehler möglich. Schon in den Ersten Analysen ergaben die Kollationen, dass es in der ersten Ausgabe von RP (1991), die auch elektronisch verbreitet wurde, wenige Fehler gab. Diese wurden in der Ausgabe von 2005 alle behoben, so dass sie nicht mehr erwähnenswert sind. Auch sind ein paar Ungenauigkeiten der Ausgabe von Hoskier in den Apparat von HF eingedrungen.


   Der byzantinische Majuskeltext


Schwerer als jene Übernahme gelegentlicher Ungenauigkeiten durch Benutzung von Sekundärquellen wiegt jedoch, dass von Sodens Apparatangaben zum Koinetext, auf denen HF und RP basieren, nicht die gesamte Textgeschichte der byzantinischen Textform abbilden, sondern tendenziell das Bild des späteren Minuskeltextes widerspiegeln. Diese Informationen sind zur Ermittlung des Mehrheitstextes zwar insofern brauchbar, als diese Minuskelhandschriften quantitativ die große Masse der Hss darstellen. Aber letztlich ist es inkonsequent, einerseits für die Ursprünglichkeit des Mehrheitstextes zu argumentieren unter Hinweis auf alte byzantinische Majuskeln (und sonstige alte Zeugen), und dieselben dann aber bei der eigentlichen Textkonstitution zu ignorieren, indem nur die spätere Überlieferung durch die Minuskeln (von Sodens Siglum "K") betrachtet und zum Maßstab gemacht wird. Wenn die byz. Textform wirklich dem Urtext näher steht als die anderen Textformen, dann müssten die alten byzantinischen Majuskelhandschriften aus den ersten zehn Jahrhunderten doch in der Regel diesem byz. Urtext näher stehen als die späteren Minuskeln des Hoch- und Spätmittelalters, und daher entsprechende Priorität haben.


   Veränderungen in der Mehrheitsüberlieferung


Diese Kritik an der Orientierung am späten Minuskeltext wäre nur dann unzutreffend, wenn der Wortlaut des byzantinischen Textes sich nicht verändert hätte, also der Text des ersten Jahrtausends mit dem des zweiten identisch wäre. So wird ja von Befürwortern des byz. Textes argumentiert, a) die byzantinische Überlieferung biete einen einheitlichen, homogenen Wortlaut mit nur relativ wenigen Varianten, sei insofern klar definiert, und b) dieser Wortlaut des byz. Text sei über die Jahrhunderte hinweg, quasi von Beginn bis Ende der Überlieferung, kontinuierlich vorhanden gewesen und konstant geblieben.

Aber diese Argumentation, besonders in Kombination beider Aspekte, kann nicht ausreichend durch die Fakten belegt werden. Denn die Einheitlichkeit des Wortlauts ist zwar in einem zeitlich beschränkten Zeitraum zu erkennen (z.B. der quantitative Mehrheitstext des 11. bis 14. Jh.); aber sobald wir einen längeren Zeitraum betrachten, verschwimmt die Einheitlichkeit, und die Mehrheitsverhältnisse beginnen sich zu verschieben. Die Kollationen, die in den Ersten Analysen erwähnt wurden, haben gezeigt, dass sich der byzantinische Wortlaut durchaus in einem Prozess verändert hat, denn es ist zu beobachten, dass die byzantinischen Majuskeln (und frühen Minuskeln) an bestimmten Stellen anders lesen als die Mehrheit der späteren Minuskeln.

Daher sollte man konsequenterweise besonders die ältesten erhaltenen Exemplare der byzantinischen Textform für die Textkonstituierung heranziehen. Aus dieser Perspektive erscheint es nicht optimal, wenn bei der Erarbeitung einer Wiedergabe des Mehrheitstextes so vorgegangen wird, dass bei Textentscheidungen (an Stellen mit gespaltener Mehrheitsüberlieferung) zwar auf die Anwendung von textkritischen Kriterien zurückgegriffen wird (wie z.B. in der Edition von RP in "The Case for Byzantine Priority" beschrieben), aber das Zeugnis der frühbyzantinischen Überlieferung außer Acht gelassen wird.


   Die Erforschung des frühen Mehrheitstextes


Um diesem Mangel abzuhelfen, wäre es wünschenswert, zumindest an den bekannten Stellen, an denen keine klare spätere Mehrheit existiert, da die Überlieferung in mehrere Varianten gespalten ist (diese Stellen werden z.B. im HF-Apparat angezeigt), eine Entscheidung auf Basis der Lesarten dieser frühbyzantinischen Zeugen zu treffen. Auf diese Weise könnte der frühbyzantinische Text, so weit er durch Zeugen erreichbar ist, bei der Entscheidung angemessener berücksichtigt werden. Das kann bedeuten, diesen frühen Zeugen gegebenenfalls ein höheres Gewicht zu geben als dem späteren Mehrheitstext - an Stellen an denen die Mehrheit ohnehin geteilt liest, sollte das ein unbestrittenes Kriterium sein. Das Ergebnis ist ein Text, der grundsätzlich mit dem byzantinischen Mehrheitstext konform geht, aber an bestimmten Stellen vom RP-Text divergiert, weil er eine frühe Phase dieser Textform widerspiegelt, während der RP-Text sich an der späteren Textentwicklung orientiert. Wir können den resultierenden Wortlaut den "frühen Mehrheitstext" oder "frühbyzantinischen Text" nennen. 

Allerdings muss hier im Sprachgebrauch differenziert werden, denn "Mehrheitstext" ist ein quantitativer Begriff, während "byzantinischer Text" eine bestimmte Überlieferungstradition meint. Konkret: Nur in den Evangelien gehört die Mehrheit der Majuskeln bzw. der Hss des ersten Jahrtausends dem byzantinischen Typ an; in den Briefen ist die Anzahl der byz. Majuskeln wesentlich geringer, sodass der frühe Mehrheitstext (Mehrheit der frühen Hss aus allen Textformen) nicht an allen Stellen mit dem frühbyzantinischen Text (Mehrheit der frühbyz. Hss) identisch ist. 

Die beschriebene Ermittlung des frühbyzantinischen Textes durch Neubewertung von Stellen mit gespaltener Mehrheit kann einen wesentlichen Fortschritt in der Erforschung des Mehrheitstextes bedeuten. Daher soll in den nächsten Monaten sukzessive der so ermittelte frühe Mehrheitstext hier zur Verfügung gestellt werden. Im Apparat sollen an Stellen mit gespaltener Mehrheitsüberlieferung die ältesten griechischen Handschriften der byzantinischen Textform verzeichnet werden.


   Erhöhung der Anzahl der zu untersuchenden Stellen


Die oben beschriebene Untersuchung zur Ermittlung des frühbyzantinischen Textes basiert - bezüglich der Auswahl der analysierten Stellen - auf den Angaben im HF-Apparat, der von seiner Konzeption her alle Stellen mit gespaltener Mehrheit zu verzeichnen scheint. Es ist allerdings nicht 100%-ig sicher, ob im HF-Apparat, der wiederum auf von Soden basiert, die dort angegebenen Spaltungen des Mehrheitstextes wirklich vollständig dokumentiert sind. 

Dies ist auch für die Erstellung der Grundtextausgabe relevant, da diese alle Divergenzen zwischen Mehrheitstext und kritischem Text dokumentieren soll. Die zu Anfang erwähnten Kollationen in Erste Analysen konzentrieren sich auf die angegebenen Stellen (Divergenzen von NA-TR-RP, sowie Spaltungen der Mehrheit gemäß HF-Apparat etc.).Wenn diese Stellen aber unvollständig angegeben sind, ist unklar, ob die Passagen zwischen den Apparatstellen korrekt wiedergegeben sind (es wäre z.B. denkbar, dass RP an einzelnen Stellen zu Unrecht mit NA übereinstimmt, so dass diese Stellen zumindest im Apparat fehlen würden, vielleicht sogar zu einer falschen Textkonstitution führen).

Daher soll der Wortlaut des Mehrheitstextes - wie er durch HF und RP bekannt ist und durch Beachtung der frühbyzantinischen Überlieferung präzisiert werden kann (s.o.) - weiter abgesichert werden. Dies geschieht in einem ersten Schritt durch Vergleich mit unabhängigen Quellen, die ebenfalls der byzantinischen Textform nahe stehen. Denn es ist unwahrscheinlich, dass z.B. ein Schwachpunkt in der Mehrheitsrekonstruktion gemäß v. Soden (HF, RP) auch von einer anderen byzantinischen Edition geteilt wird, wenn diese unabhängig entstanden ist.

Zu solchen unabhängigen byzantinischen Texten gehört natürlich der Textus Receptus (TR), der primär auf byz. Handschriften basiert. Dessen Abweichungen sind übrigens schon im HF-Apparat dokumentiert. Aber auch der Text der griechisch-orthodoxen Kirche (bekannteste Edition: Antoniades 1904) gehört zu diesem Texttyp und ist dem Mehrheitstext an vielen Stellen näher als der TR. (Es wäre auch möglich, eine ausgewählte byz. Handschrift über den gesamten Text zu transkribieren, um eine zusätzliche Quelle zu erhalten; hierzu s.u.). Zur Absicherung sind dann alle Abweichungen solcher zusätzlichen Quellen von RP zu ermitteln und die betreffenden Stellen direkt an den Handschriften zu kontrollieren, um zu beurteilen, ob die neu gefundene Variante vielleicht besser bezeugt ist als die bisherige. So kann die Abhängigkeit unserer Mehrheitstext-Rekonstruktion vom Sodenschen Apparat erheblich reduziert werden.


   Neue Grundlage zur Ermittlung des ursprünglichen byz. Wortlauts


Auch wenn diese gegenwärtige Untersuchung der Stellen mit gespaltener Mehrheit dringend notwendig ist, geht sie möglicherweise nicht weit genug. Denn im Laufe dieser Arbeit hat sich mittlerweile (2023) gezeigt s.u.), dass der - auf von Soden aufbauende - HF-Apparat keine ausreichende Grundlage für das beschriebene Ziel bildet, alle Stellen mit gespaltener byzantinischer Überlieferung aufzufinden oder den frühbyzantinischen Text zu ermitteln. Denn von Soden verwendet sein Siglum "K" auch dort, wo es zwar eine Mehrheit unter den späteren Minuskeln gibt, aber die Mehrheit der byzantinischen Majuskeln der ersten zehn Jahrhunderte durchaus gespalten liest oder sogar mehrheitlich einen von "K" abweichenden Wortlaut bezeugt. An bestimmten Stellen scheint also eine Verschiebung der Mehrheitsverhältnisse stattgefunden zu haben. Daher stehen die bisherigen Editionen der byzantinischen Textform (Hodges-Farstad, Robinson-Pierpont), die sich am Siglum "K" in v. Sodens Apparat orientieren, im Verdacht, die ursprüngliche Form des Textes, den sie wiedergeben wollen, nicht überall ausreichend zu repräsentieren. 

Um ein Beispiel zu geben, hat sich im Judasbrief (s.u.) gezeigt, dass in Jud 1 die Mehrheit der frühen byzantinischen Handschriften die Umstellung zu Χριστου Ιησου bietet, in Jud 9 die Schreibweise Μωσεως überwiegt und in Jud 13 der Artikel τον vor αιωνα steht. Diese Präzisierungen finden sich nicht in HF und RP 2005, da sie in v. Sodens Apparat nicht ausreichend erkennbar sind. Es ist anzunehmen, dass im übrigen NT ähnliche Präzisierungen des Mehrheitstextes gegenüber den bisherigen Ausgaben möglich sind.

Es ist also langfristig ein Neuansatz auf anderer Grundlage notwendig. Die Quellen für diese Grundlage sind teilweise schon vorhanden: C. von Tischendorf hat einen Großteil der Majuskelhandschriften (auch der byzantinischen) kollationiert und im Apparat seiner Editio Critica Maior (8. Auflage) dokumentiert. Für die Briefe bieten die Bände von "Das Neue Testament auf Papyrus" (ANTF 6, 12, 22) einen Apparat mit allen Majuskeln auf neuerem Stand. Außerdem entstehen gegenwärtig immer mehr Transkriptionen von Handschriften. Daher liegt es nahe, auf der Basis dieses Materials (ggf. ergänzt durch neuere Funde) den gesamten Wortlaut des frühbyzantinischen Textes neu zu rekonstruieren. Die Arbeiten hieran befinden sich noch im Anfangsstadium. Zu gegebener Zeit kann der vollständig neu ermittelte frühbyz. Mehrheitstext mit Apparat erstellt werden, um den bisher nur an Stellen mit gespaltener Mehrheitsüberlieferung gemäß HF untersuchten Text (s.o.) weiter zu präzisieren.


   Zeugen für die frühbyzantinische Überlieferung


Im Folgenden werden die wesentlichen frühbyzantinischen Zeugen für die einzelnen Schriften des Neuen Testaments genannt (basierend auf "Text und Textwert"), mit Ausnahme der kleineren Fragmente, die für die Kollationen wenig ergiebig sind. Da es graduelle Unterschiede gibt, setze ich die Grenze für die Zugehörigkeit zum byz. Typ bei ca. 2/3 der variierten Lesarten an (d.h. das Verhältnis Lesarten 1 zu Lesarten 2 in TuT ist mindestens 2:1). Es mag überraschen, dass für manche Schriften des NT sogar die alten Codizes A (02), C (04) und W (032) aus dem 4.-5. Jh. überwiegend byzantinischen Text bieten. Dagegen sind die Codizes N (022), O (023), Σ (042) und Φ (043) aus dem 6. Jh. für ihren frühbyzantinischen Text bekannt. Dies gilt für die Evangelien. Anders sieht die Situation in der Apostelgeschichte, den Briefen und der Offenbarung aus, da dort insgesamt weniger Handschriften erhalten sind und die ältesten erhaltenen Zeugen des byzantinischen Textes erst aus dem 9. Jh. stammen (in 2.Kor und 2.Tim scheint 015 aus dem 6. Jh. zwar dem byz. Text nahe zu stehen, doch ist fraglich, ob die verwendete Anzahl an Teststellen hier repräsentativ ist). Für die Evangelien gebe ich aufgrund dieses reichhaltigen Überlieferungszustands nur die Hss. bis inklusive zum 9. Jh. an, für Apg und Briefe musste das 10. Jh. hinzugefügt werden (außer Minuskeln), für die Offenbarung auch das 11. Jh., um eine ausreichende Anzahl zu erreichen.
Da der Textwert mancher Hss. über verschiedene Bücher des NT hinweg schwankt, stelle ich die Zeugen für jede Schrift separat dar. In den kleineren Schriften kann eine scheinbare Schwankung aber auch zufällig durch die begrenzte Zahl der Teststellen in TuT bedingt sein. Beide Phänomene zu unterscheiden erfordert zusätzliche Untersuchungen. Daher kann die folgende Aufstellung nur eine Näherung sein.


Matthäus-Evangelium:
02 04 07 09 011 013 017 019 021 022 023 030 031 032 034 037 041 042 043 045 047 0211 0257 461 565 566 1080 1295 1500 2224 2500

Markus-Evangelium:
02 07 09 011 013 017 021 022 030 031 034 041 042 043 045 047 0211 461 566 1080 1295 1500 2224 2500

Lukas-Evangelium:
02 07 09 011 013 017 021 022 024 026 030 031 032 034 037 038 039 041 045 047 063 0211 0233 461 565 892 1080 1295 2224 2500

Johannes-Evangelium:
02 07 09 011 013  017 021 022 030 031 034 037 038 039 041 045 047 063 0211 0233 0250 461 565 892 1080 1295 2224 2500

Apostelgeschichte:
014 020 025 044 049 056 0142 1424 1841 1862 1895 [plus viele Minuskeln des 10. Jh., so auch in den Briefen]

Römerbrief:
018 020 025 044 049 056 0142 0151 33 1424 1841 1862 1900 2464

1. Korintherbrief:
018 020 044 056 0142 0150 0151 1424 1841 1862 1900

2. Korintherbrief:
015 018 020 044 049 056 075 0142 0151 1424 1841 1862 1900

Galaterbrief:
018 020 049 056 075 0142 0150 0151 1424 1841 1862 1900 2464

Epheserbrief:
018 020 025 044 049 056 075 0142 0151 1424 1841 1862 1900

Philipperbrief:
018 020 044 049 056 0142 0151 1424 1841 1862 1900

Kolosserbrief:
018 020 044 049 056 0142 0150 0151 1424 1841 1862 1900

1. Thessalonicherbrief:
02 018 020 025 049 056 075 0142 0150 0151 1424 1841 1862 1900 2464

2. Thessalonicherbrief:
010 012 018 020 056 075 0142 0150 0151 1424 1841 1862 1900

1. Timotheusbrief:
018 020 056 075 0142 0151 1424 1841 1862 1900

2. Timotheusbrief:
015 018 020 044 056 075 0142 0150 1424 1841 1862 1900

Titusbrief:
018 020 044 056 075 0142 0150 1424 1841 1862 1900

Philemonbrief:
018 020 044 056 075 0142 0150 1424 1841 1862 1900

Hebräerbrief:
018 020 044 056 075 0142 0151 1424 1841 1862 1900
(in TuT werden auch 0209 aus dem 7. Jh. und 0220 aus dem 3. Jh. als byz. Zeugen aufgeführt, doch handelt es sich anscheinend um einen Druckfehler, denn diese enthalten den Hebräerbrief gar nicht)

Jakobusbrief:
018 020 049 056 0142 1424 1841 1862 1895

1. Petrusbrief:
018 020 025 049 056 0142 1424 1841 1862 1895

2. Petrusbrief:
02 018 020 048 049 056 0142 0209 (ein Palimpsest) 33 1424 1841 1862 1895 2464

1. Johannesbrief:
018 020 049 056 0142 1424 1841 1862 1895

2. Johannesbrief:
018 020 025 049 056 0142 1424 1841 1862 1895

3. Johannesbrief:
018 020 025 049 056 0142 1424 1841 1862 1895

Judasbrief:
018 020 025 049 056 0142 1424 1841 1862 1895

Offenbarung:
(Da es in der Offenbarung keinen einheitlichen Mehrheitstext gibt, gebe ich hier die Zeugen für die beiden wesentlichen Textformen Koine und Andreas separat an)
Koinetext: 046 82 93 627 920 1424 (mit Einschränkung 175: Arethastext)
Andreastext: 051 2059 2074 2081 (mit Einschränkung 025: mit "altem Text" vermischt)



   Überprüfung des Wortlauts des Mehrheitstextes durch Vollkollationen

Die oben beschriebenen Schritte sollten ausreichen, den byzantinischen Text, auch in seiner Frühform, in seinem Wortlaut und mit seinen wesentlichen Varianten zu rekonstruieren. Dennoch basiert ein Teil des Materials auf vorhandenen Apparaten, die, auch wenn sie geringfügige Varianten verzeichnen, den handschriftlichen Wortlaut nicht in allen Details zu dokumentieren vermögen. In einem weiteren Schritt soll daher der komplette NT-Text durch Vergleich mit exemplarischen Handschriften des byzantinischen Typs verglichen und überprüft werden, um den Wortlaut vollständig auf Basis der Handschriften zu gewinnen. Erste Vollkollationen zu diesem Zweck habe ich schon an Röm und Offb durchgeführt (2008), sind aber noch auf das gesamte NT auszuweiten. Auf diese Weise soll der byzantinische Mehrheitstext genauer ermittelt werden, als es bisher der Fall war (auch inklusive Nomina Sacra, Akzente, Interpunktion etc.). 

Für die drei Hauptstränge der Mehrheitsüberlieferung der Offb sind die durch Vollkollation ermittelten Wortlaute wiedergegeben in Koinetext  und Andreastext  und Complutensetext. Eine Darstellung eines aus diesen Elementen bestehenden Mehrheitstextes (welcher in der Offb keine Textform ist) wird gegenwärtig erstellt.


   Mehrheitsverhältnisse an Stellen mit gespaltener Überlieferung ("pm")


An manchen Textstellen ist die Überlieferung auf eine solche Weise in mehrere Varianten gespalten, dass kein einheitlicher Mehrheitstext existiert. An diesen Stellen sollen die ungefähren Mehrheitsverhältnisse (z.B. in Prozent) im Apparat angegeben werden können. Zu diesem Zweck müssen diese Stellen gefunden werden und entsprechende Prozentwerte durch Kollation einer relativ großen Anzahl von Handschriften angenähert werden (die hierfür verwendeten Handschriften sollten in Bezug auf Alter und Typ repräsentativ für die Mehrheit sein, also aus dem 11. bis 14. Jh. stammen; die für den Apparat gewählten frühen Zeugen reichen hierfür nicht aus). Diesbezügliche Vergleiche zwischen den Angaben im Apparat von NA und denen im Apparat von Hodges-Farstad (der auf von Soden basiert) zeigen, dass die entsprechenden Angaben nicht immer deckungsgleich sind. Für die ersten 14 Kapitel des Matthäusevangeliums habe ich vor einigen Jahren begonnen, die entsprechenden Fälle aufzufinden und zu klären. Dies soll zu gegebener Zeit auf das ganze NT ausgedehnt werden. In der Zwischenzeit ist die Edition von W. Pickering erschienen, die genau solche Prozentangaben bietet. Es ist zu klären, ob diese vollständig und zuverlässig sind. Diese Arbeit ist nötig, um den Wortlaut des Mehrheitstextes an allen Stellen zu sichern und zuverlässige Angaben im Apparat der geplanten Grundtextausgabe zu ermöglichen.


   Spezielle Situation in der Offenbarung


Die Auswahl der Handschriften sowohl für die Auswertung der frühbyzantinischen Überlieferung als auch für die exemplarischen Vollkollationen (s.o.) basiert auf den Untersuchungen "Text und Textwert der griechischen Handschriften des Neuen Testaments". Da diese Bände zunächst nur für Mt-Jud erschienen waren, fehlte für die Offenbarung eine zuverlässige Grundlage für diesen Arbeitsbereich. Aus diesem Grund hatte ich 2008 intensive Forschungen im Bereich Apokalypsetext begonnen, die, in Zusammenarbeit mit dem ISBTF Wuppertal, mittlerweile (2017) zum Erscheinen des entsprechenden "Text und Textwert"-Bandes beigetragen haben (s. Publikationen). Diese Untersuchungen waren auch deshalb nötig, weil in der Offenbarung (anders als in den übrigen Schriften) kein einheitlicher Mehrheitstext überliefert ist, sondern die Masse der Handschriften primär in zwei große Textformen aufgeteilt ist: Koinetext und Andreastext, aus denen sich weitere Textformen gemischt haben, u.a. der sog. Complutense-Text als drittgrößter Hss-Gruppe (zu den Wortlauten der drei Textformen s. Apokalypsetext). 

Nach den Arbeiten an der Offenbarung soll die frühbyzantinische Überlieferung (s.o.) dokumentiert und die Vollkollationen zu Ende geführt werden, um den Wortlaut der wichtigsten Textformen in allen Büchern des Neuen Testaments ermitteln zu können. Danach können auch die Apparatstellen für die Grundtextausgabe endgültig festgelegt werden.